| Sternstundenverdächtig |
| Die Starcellistin Sol Gabetta gastierte mit dem Basler Kammerorchester in der Stadtkirche im schweizerischen Rheinfelden. |
| Badische Zeitung, Roswitha Frey |
| 29.06.2010 |
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Foto: Roswitha Frey
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Am Ausgang bekamen die Damen Sonnenblumen überreicht – eine schöne Geste für ein Festival, das die Sonne im Namen trägt. Wie schon im vergangenen Jahr gastierte die Starcellistin Sol Gabetta zum Abschluss ihres "Solsberg Festivals" mit dem Basler Kammerorchester in der Stadtkirche St. Martin im schweizerischen Rheinfelden. Und gegen die Anziehungs- und Strahlkraft dieser Cellovirtuosin hatte selbst die Fußball-Weltmeisterschaft keine Chance, denn beide Konzerte waren im Nu ausverkauft.
Schon wenn Sol Gabetta das Podium betritt, zierlich und grazil in einem sommerlich luftigen weißen Kleid und mit einem strahlenden Lächeln, geht die Sonne auf. Und erst recht, wenn sie mit fulminanter virtuoser Geste in das erste Cellokonzert a-Moll von Camille Saint-Saëns einsteigt. Temperamentvoll beflügelt legt sich die argentinische Cellistin, die zur Weltspitze der Klassikszene gehört, in dieses schwungvolle Anfangsthema. Den bravourösen Virtuosenpassagen in diesem einsätzig durchkomponierten Konzert begegnet sie mit einer atemberaubenden Bogen- und Grifftechnik. Über alle traumhaft sicher beherrschten spieltechnischen Details hinaus ist es vor allem Gabettas Leidenschaftlichkeit, intensiver Ton und nuancenreicher Celloklang, die diese Saint-Saëns-Interpretation so sternstundenverdächtig macht. Herrlich, mit welcher Wärme und Innigkeit und delikaten Farben diese Ausnahmekünstlerin die lyrisch-kantablen Themen in diesem Cellokonzert aushorcht, wie ruhig und sanglich sie ihr Solocello hier strömen lässt. Sie hat die innere Ruhe gefunden, die völlige Hingabe, um auch die subtilsten Farben und Nuancen bei Saint-Saëns auszuschöpfen. Auch hört man in ihrem exquisiten Spiel einmal das enorme Ausdrucksspektrum, zu dem ein Cello fähig ist, von elegant aufschwingender Höhe bis zur ganz dunklen tiefen Lage. Technik und Eleganz, Originalität und Anmut: Was an Saint-Saënts’ Cellokonzert gerühmt wurde, das zeichnet auch Gabettas Interpretation aus. In zupackendem Elan, blitzschneller Geschmeidigkeit und rasch beschleunigten Tempi zieht sie in den brillanten Schlussthemen davon – und das Basler Kammerorchester unter Dirigent Philippe Bach hält glänzend mit, so wie es auch in den ruhigeren Teilen mit zarten Farben auf das lyrische Solocello reagiert. Die umjubelte Solistin und das Orchester bedankten sich mit dem funkensprühend virtuos gespielten letzten Satz aus dem ersten Haydn-Cellokonzert als Zugabe. Mit Haydn hatte der Abend auch begonnen: mit der Trauersinfonie Nr. 44. Schon im Kopfsatz Allegro con brio machte das Kammerorchester Basel mit Konzertmeisterin Julia Schröder deutlich, dass dies bei aller gelegentlichen Moll-Färbung ein echter Sturm- und Drang-Haydn ist, gespielt in heftig drängendem Impuls, voller Energie und federnder Gespanntheit. Ihre ausgeprägt noble Streicherkultur konnten die Basler vor allem im elegischen, trauererfüllten Adagio entfalten, das im gedämpften Streicherklang voller Melancholie erklang. In zügigen Tempi, packender Direktheit und aller Vehemenz legte sich das Orchester in das Schluss-Presto. Das war also ein Haydn mit erfreulicher Konturenschärfe.
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