| Grundsachlich |
| Frankfurter Allgemeine, Bernhard Uske |
| 09.05.2010 |
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Ein rein romantisches Programm bot das HR-Sinfoniekonzert in der Alten Oper Frankfurt, wo Leonard Slatkin zu Gast war. Mit ihm, dem alten Hasen, der eine der Säulen des US-amerikanischen klassischen Musikbetriebs und seit 2008 Chefdirigent des Detroit Symphony Orchestra ist, trat die 29-jährige Sol Gabetta auf, einer der Stars der jungen Solisten-Generation.
Das 1. Cellokonzert von Camille Saint-Saens bot der gebürtigen Argentinierin Gelegenheit, eine Gestaltung ziselierter Faktur aus dem lyrischen Klangszenen-Bogen des 1872 entstandenen Werk zu machen. Alles war hier transparent und luftig und einer hellen und aufgeräumten Ausdruckswelt verpflichtet. Gabettas Zugriff auf ihr Instrument (ein Guadagnini-Cello von 1759) ist tänzerisch, so wie sie sich mit dem Bogen in die Saiten wirft und die Läufe gleichsam hinsteppt. Die Lineatur ist dabei schlank und frei von näselndem Lyrismus.
Den Beginn des Abends machte Bedrich Smetanas sinfonische Dichtung "Aus Böhmens Hain und Flur". Slatkin hielt sich fern aller Folkloreseligkeit und präsentierte die Formsprünge und Stimmungswechsel des Stücks fast wie Filmschnitte. Die grundsachliche Haltung des Dirigenten kam auch der "Symphonie fantastique" von Hector Berlioz zugute. Das war keine sinfonische Nervensäge mit hysterischem Ausdrucksüberschuss, sondern eine klassische Sinfonie, fast akademisch gebaut mit grellen Farben und bizarrer Tektonik. Die Nüchternheit Slatkins räumte alles Dunkle, Enervierende hinweg. Die ganz aus der Form gewonnene Attraktivität der Aufführung löste dank der phänomenalen Leistung der HR-Sinfoniker Beifallsstürme aus.
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