| Klassik-Star bringt die Stille zum Klingen |
| Mitteldeutsche Zeitung |
| 18.04.2010 |
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HALLE/MZ/UVA. Sie ist ein Ereignis, mit und ohne Orchester. In Halle war Sol Gabetta am allerbesten als Solistin, in der zweiten Zugabe: "Dolcissimo" von Peteris Vasks spielte sie am Freitagabend aufgeladen mit Spannung und bis zur Unhörbarkeit leise. Nachdem ihre Linke am Griffbrett entlang geflattert war, verblüffte die argentinische Star-Cellistin mit dem sirenengleichen Einsatz ihres hellen Soprans. Die Hörerschaft im zu etwa zwei Dritteln gefüllten Saal war ihr damit endgültig verfallen.
Ungestüme Sympathiebekundungen blieben nach Elgars Cellokonzert zunächst aus. Was keinesfalls an der Interpretin gelegen haben kann. Das zierliche Persönchen vereint alles, was einen Publikumsliebling ausmacht: eine quicklebendige Erscheinung, eine Bühnenpräsenz, in der die Freude am Musizieren Kobolz schlägt. Dazu grandiose Virtuosität und ein allerliebstes Bekenntnis zum Unperfekten: Nicht jeder kunstvoll zwischen Bogenstrich und Zugriff auf die Saite modellierte Ton besaß Plattenreife. Aber fast jeder. Auch lächelte sie beim Musizieren, wirkte bisweilen, als spiele sie Theater, immer aber auf charmante Art von Musik besessen.
Elgars Werk ist der Inbegriff des romantischen Cellokonzerts, wenn nicht sogar der gesamten Gattung. Sol Gabetta versteht es trotzdem als Lied und nicht etwa als Oper. Diszipliniert, klar im Ton, dem Moment ergeben und doch vollständig unpathetisch lauschte sie dem kolossalen Opus unerhört zarte Seiten ab, ließ den Klang blühen oder verschatten, als entwüchse er der Erinnerung. Kompliment an das von Paul McCreesh dirigierte Kammerorchester Basel, das ihrem sensiblen Ton nie den Atem nahm.
Solche Ehrlichkeit in der Aussage stünde auch dem Tour-Marketing gut an. Die Diskrepanz zwischen dem Konzertprogramm und seiner Protektion durch Sol Gabettas vermeintlichen Dauereinsatz sorgte für einige Verwirrung: Die Baseler mit Dvoraks "Siebter" anzukündigen, erschien offenbar als zu schwacher Werbereiz. Weit gefehlt: Wer solche Bläser hat, braucht keinen Streicherproporz - noch nicht mal für die exzentrische Akustik der Händelhalle.
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