Cellistin Sol Gabetta bietet Elgar die Stirn
DIE WELT, HELMUT PETERS
17. April 2010
Man braucht für Dvoráks 7. Sinfonie d-Moll nicht unbedingt ein Riesenorchester. Wie voll, akzentuiert und energisch das an Brahms orientierte Werk auch mit einem kleineren Ensemble klingen kann, bewies das "kammerorchesterbasel" am Donnerstag im zweiten Teil seines Pro-Arte-Konzert in der Laeiszhalle.

Welche Ressourcen in dem 1984 von Abgängern verschiedener Schweizer Musikhochschulen gegründeten Kammerorchester gerade in Bezug auf die schwerere Spätromantik schlummern, war aber schon im ersten Teil dieses qualitativ hochwertigen Abends zu spüren. Mit ihrem langjährigen Partner und Dirigenten Paul McCreesh wagten sich die Baseler an ein mäßig bekanntes Werk des ebenso mäßig bekannten, in England aber zu einigem Ruhm gelangten Briten Frederick Delius. Gottfried Kellers Shakespeare-Adaption "Romeo und Julia auf dem Lande" gab die Vorlage zu dessen "The Walk to the Paradise Garden". Das "kammerorchesterbasel" spielte diese verschwenderisch melodiöse, an d'Albert oder Wolf-Ferrari erinnernde Musik voll innerer Erregung.

Erregend und ergreifend waren danach aber vor allem der Ton und die Musikalität der Cello-Solistin Sol Gabetta in Edward Elgars Cellokonzert e-Moll op. 85. Die argentinisch-französische Cellistin mit russischen Wurzeln war es, die der lähmenden Tristesse dieses Werkes gerade im ersten Satz Adagio-Moderato oder später im langsamen Satz durch stringente und intelligente Gestaltung die Stirn bot. Kraftvoll beantwortete sie die Orchesterschläge im Allegro molto und verschlankte beispielsweise die Dynamik bei einem aufsteigenden Flageolett, das unmittelbar von der Flöte im Orchester übernommen wurde. hpe



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