| Die Töne kommen zu ihr - und das Cello singt |
| Ausnahmecellistin Sol Gabetta begeistert mit Mihaela Ursuleasa im ausverkauften Burghof
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| Oberbadisches Volksblatt, Jürgen Scharf |
| 13.01.2010 |
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Versuch, die Töne zu dir kommen zu lassen und nicht umgekehrt. Diesen Rat ihres Lehrers beherzigt Sol Gabetta. Die Töne kommen zu ihr, sie muss sie nur noch aus ihrem sonor klingenden Guadagnini-Cello holen. Sie lässt es reden. Ihr gesangliches Spiel atmet ganz groß. Beim ausverkauften Sparkassenkonzert von Sol Gabetta zusammen mit ihrer rumänischen Klavierbegleiterin Mihaela Ursuleasa am Sonntagabend im Burghof können die vielen Fans der schon zum wiederholten Mal gastierten jungen Ausnahmecellistin erleben, dass das einstige Cellofräuleinwunder reifer, als Interpretin erwachsen geworden ist und eine hohe Meisterschaft erreicht hat.
Sol Gabetta behandelt ihr warm timbriertes Cello als Melodieinstrument, es singt und die Cellostimme berührt in allem, was sie spielt, ob das die späte fünfte Cellosonate von Beethoven ist, die friedlich und abgeklärt statt sperrig und spröde wirkt, ob das Schostakowitschs einzige Cellosonate mit ihren parodistischen Elementen oder ob das der französische Spätromantiker César Franck ist mit einer Bearbeitung von dessen Violinsonate.
Vor allem in den langsamen Sätzen hört man Sol Gabetta und ihrer exzellenten Klavierpartnerin schier atemlos zu, wenn sie oft mit geschlossenen Augen und freien Bewegungen ihren Bogen führt, jede Geste gefühlsintensiv, Musik wie aus dem Innersten entstehen lässt.
Aus der argentinischen jungen Wilden ist eine junge Sensible geworden, die zwar immer noch wie ein Vulkan loslegen kann, die aber das Beethoven-Adagio aus op.102 kontemplativ aushorcht, den matten Trauermarsch bei Schostakowitsch ebenso wie den todtraurigen langsamen Satz mit fahlen Klängen beschwört, und die sehr sangbare Musik von César Franck äußerst musikalisch nachfühlt. Die langsamen Sätze sind bei Gabetta mithin Übungen in Meditation.
Keine Frage, diese Virtuosin des Cellos versteht es, eine Verbindung zwischen Virtuosenkraft und individuellem Tiefgang zu schaffen. Dabei ist ihr Spiel stets identifikativ, könnte man sich die Schlussfuge bei Beethoven nicht schlüssiger vorstellen, den ersten Satz bei Schostakowitsch nicht romantischer, das Scherzo nicht grotesker. Wenn gefordert wie bei Franck entfaltet Sol Gabetta auch den großen romantischen Ton, dann kann sie sich glaubhaft in die spätromantische Welt einfühlen.
In Mihaela Ursuleasa hat sie eine absolut verlässliche Mitgestalterin gefunden. Die Korrespondenz und Balance zwischen den beiden stimmt im perfekten Zusammenspiel, und wie die Pianistin gerade auch die Beethoven-Sonate, diesen Alptraum der Klavierbegleiter, angeht, nötigt allen Respekt ab. Natürlich ist die von Beethoven intendierte Gleichberechtigung der beiden Instrumente noch nicht umgesetzt. Dafür ist die ganz zum Publikum gewandte Gabetta doch zu sehr der Star.
Für Furore sorgt diese noch in den Zugaben. Und beim anschließenden Künstlergespräch, bei dem sie aus der Schule plaudert, kann man die derzeit wohl berühmteste Cellistin ihrer Generation von der persönlichen Seite kennen lernen.
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