Die Region Basel hat ein neues Festival: SOLsberg. Inmitten poetischer Landschaft beherbergte die barocke Klosterkirche Olsberg drei Kammermusikabende, in denen mit der Cellistin Sol Gabetta und der Violinistin Patricia Kopatchinskaja zwei junge Musikerinnen im Zentrum standen. Gemeinsam mit Gérard Wyss formierten sie sich zum Klaviertrio und brachten Erstaunliches zu Gehör. Erstaunlich war nicht das Programm, das mit Haydn, Beethoven und Brahms den gängigen Geschmack bediente.
Erstaunlich war die Harmonie, in der die drei unterschiedlichen Charaktere musizierten. Die Expressivität, mit der jeder musikalische Winkel ausgelotet wurde, hätte man besonders bei Haydn kaum vermutet. Sein Trio «à la Hungarese» setzte mit säuselndem Hauchen ein, bei dem man den schillernd-schönen Celloklang Gabettas bewundern konnte, bis es plötzlich zu explodieren schien und Kopatchinskaja mit einer Energie loslegte, das man dem Trio eher den Namen «à la Kopatchinskaja» geben mochte.
Lediglich der Hall der Kirche - oder der zu rege Pedalgebrauch im Klavier - erschwerten es auch bei Beethoven, das differenzierte Zusammenspiel in jedem Detail verfolgen zu können. Dennoch sorgten die Musiker sogar bei Brahms, dessen grosse Gesten einladen, in romantischen Klangwolken zu schwelgen, immer wieder für interpretatorische Überraschungen.
AKROBATIK. Was Kopatchinskaja an virtuoser Akrobatik bei den Klassikern der Kammermusikliteratur nicht ausleben konnte, das schrieb sich die Komponistin selbst in die Geigenhand. In ihrem «Duo per Sol» für Violine und Cello wurden alle Klangfantasien ausgelebt. Sogar den Namen «Sol» bellten sie einander zu wie Hund und Katz -oder eher wie zwei übermütige junge Musikerinnen, die sich mit ihrem Festivalpublikum so pudelwohl fühlten wie das Publikum mit ihnen. Die zwei Zugaben offenbarten, wie wenig gute Künstler der üblichen Genre- und Epochengrenzen bedürfen. So interpretierte das Trio ein Stück des Barockkomponisten Marin Marais und einen Tango von Piazzolla mit so viel jazzigem Drive und folkloristischem Verve, dass man sich auf das nächste Festival freuen darf.
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