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SCHOSTAKOWITSCH Cellokonzert No. 2


Konzert für Violoncello und Orchester Nr. 2 G-Dur op. 126 (Live-Aufnahme)

Sonate für Violoncello und Klavier D-moll op.40

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Radikal und gewagt
MARION BEYER, klassik.com
30.09.2008

Das Kennzeichen der Musik Dimitri Schostakowitschs ist die Konzentration vielfältiger Ausdrucksmöglichkeiten auf kleinstem Raum und der radikal sparsame Umgang mit den zur Verfügung stehenden musikalischen Mitteln. Schärfe und Reduktion sind die zentralen Charakteristika von Schostakowitschs zweitem Cellokonzert, welches - selten aufgeführt - zu seinem Spätwerk gehört. Die Kälte und Härte der politischen Umstände in der Sowjetunion hinterließ in der Komposition ihre Spuren, denn so eindrucksvoll das Werk auch ist, so ruft es durch seine Radikalität doch deutliche Schockmomente hervor. Schostakowitsch verschenkt in seinem spektakulären zweiten Cellokonzert keine unnötigen Effekte und gönnt dem Solocello kaum Ruhepausen, sondern verlangt ihm eine anstrengende und unermüdliche Präsenz ab.

Die junge, in Südamerika geborene Cellistin Sol Gabetta zeichnet sich durch ein frisches, energievolles Spiel auf ihrem Instrument aus. In Schostakowitschs Konzert geht sie durch ihre enorm kraftvolle Spielweise wagemutig Risiken ein, die an vielen Stellen technische Unfeinheiten hervorrufen. Wenn aber auch dieser Übermut kleinere technische Unsauberkeiten oder eine unschöne Bogenführung hörbar werden lässt, so fesseln dennoch die schnellen Ausdruckswechsel und der überaus temperamentvolle Umgang mit dem tiefen Streichinstrument. Sol Gabetta interpretiert notengetreu den ergreifenden Ausdruckswillen des Komponisten und beschönigt nicht über dessen Willen hinweg die stellenweise radikalen Motivformeln. Besonders die vielen abgehackten Motive zeigen ihre ernüchternde Wirkung durch nackte Töne ohne jegliches Vibrato.

Gabetta stellt auf eine erstaunliche Weise dar, wie vielseitig der Celloklang sein kann, denn er passt sich oft im Konzert so gut den verschiedensten Instrumenten an, dass er nicht mehr von diesen zu unterscheiden ist. Leider reagieren Orchester und Solopart nicht immer so gut aufeinander, wie die Temposchwankungen besonders bei den außerordentlich schwierigen Celloläufen zeigen. Dafür zeichnen sich die Münchener Philharmoniker unter der Leitung von Marc Albrecht ansonsten durch ihre starken Holzbläser sowie die extrem präzise Schlagwerkgruppe aus.

Das zweite Werk der Aufnahme, Schostakowitschs Cello-Sonate op. 40, ruft besonders im zweiten und vierten Satz das Bild eines wilden Ameisenhaufens hervor. Diese beiden lebhaften Sätze sind von einem rastlosen Wüten geprägt, wohingegen der erste und besonders das Largo des dritten Satzes die ersehnten cantablen Melodien zum Ausdruck bringt. Nach der eindrucksvollen Vorstellung der Cellistin im Solokonzert, enttäuscht das Allegro non troppo zunächst. Das Klavier beginnt diesen ersten Satz deutlich zu laut und mit einem seltsam blassen Anschlag. Im Zusammenspiel mit dem Cello offenbart sich schon in den ersten Takten gehäuft ein durchweg störendes Rubato, dass dem Werk nicht angemessen ist. Ab etwa der zweiten Hälfte dieses Satzes stellt Gabetta eine große Feinfühligkeit unter Beweis, welche die Komposition mehr und mehr zu einem ergreifenden Hörerlebnis macht. Die Cellistin meistert den raschen zweiten Satz technisch makellos. Herausragend ist aber die Interpretation des Largo, denn trotz des anfänglichen Pianissimo und der tiefen Lage, entlockt die gebürtige Argentinierin ihrem Instrument glasklare, hauchdünne Töne. Verblüffend ist hier auch das Zusammenspiel des Duos, weil das Cello auf faszinierende Weise im Gegensatz zum Klavier so klingt, als sei es aus weiterer Entfernung oder hinter einer Wand aufgenommen worden.

In beiden Kompositionen trifft die Interpretation Sol Gabettas genau den musikalischen Gehalt der Werke, welcher von facettenreichen, aber stets abgerissen oder ausweglos kreisenden Gedankenfetzen geprägt ist, durch ihre natürliche und unverkrampfte Herangehensweise. Damit erzielt sie die fesselnde Wirkung der Cellokompositionen. Die Cellistin beweist durch ihr unverblümtes Spiel, dass der perfekte technische Umgang mit dem Instrument allein nicht genügt, um eine solch gehaltvolle Musik für sich sprechen zu lassen.
  
Audio, October, 2008

"Absolut hörenswert ist Sol Gabettas ernste Seite - Schostakowitschs 2. Cellokonzert (mit den Münchner Philharmonikern unter Marc Albrecht) gewinnt hier Aura. Cello mit Seele." Musik & Klang: 4,5 Sterne
  
Rondo, 2008

"Schostakowitsch fordert alles, was die junge Cellistin hat, da gibt es kein Verstecken hinter Attitüden wie "raffiniert", "elegant" oder dergleichen. Aber auch das kann sie. Schon wer sich das späte zweite Cellokonzert erwählt statt des ersten, was bedeutet: Introspektion statt zirkusartigen Selbstbespiegelns, der will es sich nicht einfach machen. (...) Sol Gabetta ist ein Glückskind, Schostakowitsch war's nicht, aber irgendwo im Niemandsland der Kunst treffen sie aufeinander. Und in der Cellosonate op. 40 haben der noch junge Komponist und die junge Interpretin dann ein Heimspiel: gemeinsam gelebte, nicht lediglich fantasievoll nachempfundene Musik." 4 Sterne
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