Sol Gabetta
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Sun 17.12.2017

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Die „Künstlerin im Porträt“ Sol Gabetta und Bertrand Chamayou (Klavier) im GZH

Nach den gefeierten Auftritten mit dem Kammerorchester Basel im publikumswirksamen Camille Saint-Sains Konzert und mit dem groß besetzten London Philharmonic Orchestra im schwermütigen Cellokonzert Schostakowitschs als Solistin zeigte Sol Gabetta nun als Kammermusikerin eine weitere Facette ihres musikalischen Wirkens auf. Zusammen mit ihrem langjährigen Partner, dem herausragenden französischen Pianisten Bertrand Chamayou, präsentierte die „Künstlerin im Portrait“ am Sonntag einen nachwirkenden Duo-Abend von höchster Musikalität im ausverkauften Ludwig-Dürr-Saal im Häfler Graf-Zeppelin-Haus.

Verhalten schlicht stieg das Duo in die Themenvorstellung der 7 Variationen über das Duett „Bei Männern, welche Liebe fühlen“ aus Mozarts „Zauberflöte“ von Ludwig van Beethoven ein. Diese Schlichtheit wurde durch Synkopen, virtuose Läufe, sentimentale Einschübe und neckendes Wechselspiel von Klavier und Cello kunstvoll in den Variationen aufgebrochen. Besonders im Adagio-Satz verschmolz der elastische, geschmeidige Cello-Ton mit den klangvollen Klavierakkorden zu einem faszinierenden Gesamtklang.

In der Sonate Nr. 2 D-Dur op.58 von Mendelssohn Bartholdy konnten die Künstler die dualistische Wechselwirkung ihrer Instrumente noch mehr ausleben. Mit großer, ausdrucksvoller Cellogeste, temperamentvoll, energiegeladen, stieg Gabetta in das Klanggeschehen des Kopfsatzes ein. Dieses intensive Spiel mit schwärmerischer Leidenschaft wurde von Chamayou voll aufgenommen. In wechselnden Klangfarben gestalteten sie die Wiederkehr des Hauptthemas, hatten sichtliche Freude im Kontrast von Pizzikati und Stakkati im Allegro scherzando des zweiten Satzes. Mitreißend die arpeggierte Klaviereinleitung zum choralartigen Adagio. Darüber konnte sich eine düster gefärbte, von Bach beeinflusste Cello-Kantilene traumhaft entfalten. Mit viel Spielfreude an der volksliedhaften Melodik, Reminiszenzen an die „Sommernachtstraum“-Musik, virtuosen Läufen und dynamischen Steigerungen präsentierte das Duo den Finalsatz.

Nach der Pause standen zwei Werke aus der neu eingespielten CD „Das Chopin Album“ im Mittelpunkt. Frédéric Chopin liebte das Cello, hatte aber große Probleme mit der Klangbalance zwischen Klavier und Cello. So ist der erste Satz der Cellosonate g-Moll op.65 wegen seiner Länge und seiner formalen Ungereimtheiten gefürchtet. Gabetta und Chamayou gelang es, aus den überbordenden melodischen Gedanken die versteckte Klangpoesie zu verdeutlichen. In ihrem vorwärts drängendem, pulsierenden Spiel entstand eine große Farbpalette und unterschiedlichste Ausdrucksnuancen. Im kapriziösen Scherzo, gefühlvollen Largo oder im stürmischen Finale, in den Sätzen also, die Chopin selbst gut fand, bestaunte man das blinde Verstehen beider Duopartner.

Das „Grand Duo Concertant” über „Themen aus der Oper Robert le Diable” von Giacomo Meyerbeer entstand in Zusammenarbeit mit dem französischen Cellisten Auguste-Joseph Franchomme. Dem damaligen Geschmack verpflichtet konnte das Duo, nun etwas befreiter, zum Schluss in kurzen, heiteren Sätzen sein Instrument virtuos vorstellen, bis in der Coda mit einer immensen Temposteigerung ein glänzender, gemeinsamer Schlussakkord erreicht wurde.

- Südkurier, 25.02.2015