Sol Gabetta
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Sun 17.12.2017

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Cellisten nennen das a-Moll-Konzert von Camille Saint-Saëns gerne das Konzert mit dem Startschuss: Ein Fortissimo-Schlag, und los geht’s mit wilden Triolen. Mit Sol Gabetta als Solistin ist der kleine Musikerscherz mehr als treffend. Nicht, dass die Cellistin das Stück übertrieben sportlich angehen würde. Sie hat es einfach im Griff, sie kann damit machen, was sie will. Es ist eher der Eindruck eines kaum zu bändigenden Spieltriebs, der die Assoziation Startschuss rechtfertigt: Sol Gabetta hat Spaß mit Saint-Saëns und damit auch Orchester und Zuhörer.

Ein höchst vitaler Einstieg in den 30. Kissinger Sommer mit dem Deutschen Symphonie-Orchester (DSO) Berlin unter Andrey Boreyko also, nach vier ebenso schmissigen wie verzichtbaren Slawischen Tänzen von Dvoøák. Sol Gabetta, einer der großen Stars ihres Fachs, verbindet natürliche Eleganz mit großem Ton, mühelose Technik mit dem Mut, auch mal ein echtes Piano zu spielen.

Präsent bleibt sie dennoch immer. Nach dem Pathos des Kopfsatzes mit seinen aufgewühlten Skalenkaskaden und seinem wunderbaren zweiten Thema, dessen große Linie Sol Gabetta wie einen duftenden Schleier des Wohlklangs über den Saal ziehen lässt, findet sie im klassizistischen Allegretto zu schlichter Kontemplation. Um dann im Finale umso fetziger aufzudrehen. Blitzsaubere Oktaven und Flageoletts, freche Katz-und-Maus-Spiele mit den Geigen, dazwischen immer mal wieder die ganz große Geste – der Saal feiert eine Solistin, die mit der Zugabe „El can dels occels“ (Der Gesang der Vögel) des großen Pablo Casals noch einmal ihre vielleicht größte Gabe zeigt: die Kunst des natürlichen, scheinbar selbstvergessenen Gesangs, der direkt zu Herzen geht.

Das DSO ist ihr dabei idealer Partner. Das Orchester strahlt eine Art pragmatischen Enthusiasmus aus, der sich auch anschließend in Tschaikowskys fünfter Sinfonie in zupackender Präzision, nahtlosem Zusammenspiel und warmem Klang äußert. Andrey Boreyko dirigiert rechts mit sparsam eingesetztem Taktstock, links mit beredter Gestik – mal modelliert er pantomimisch detaillierte Klanglandschaften, mal wird sein ganzer Körper zum Generator.

Selten so eine plastisch-vielschichtige Fünfte gehört, selten so ein swingendes Hornsolo, so lässige Ablösungen zwischen Streichern und Bläsern, so perfekt durch alle Streichergruppen wandernde Pizzikatos. Dirigent und Orchester haben eine gemeinsame Vorstellung dieses Stücks, das ist mit Händen zu greifen. Und diese Vorstellung besteht weit stärker aus Hoffnung denn aus Tragik.

- Main Post, Mathias Wiedemann, 21.06.2015