Sol Gabetta
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Tue 09.01.2018

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Wenn Sol Gabetta die Bühne betritt, schwungvoll und bestimmt, kurz die Saiten ihres Instrumentes stimmt und dann sogleich zu spielen beginnt, mit dem warmen, vollen Klang ihres Cellos, ist man vom ersten Ton an bis ins Innerste ergriffen. Ihr Spiel fühlt sich an wie eine Erleuchtung. Ein sich aus der Tiefe hinaufschwingendes Thema, dunkel, tief und intensiv zu Beginn, eine nicht enden wollende Melodie, lyrisch, ausladend, sich fortspinnend.

Die Sonate für Klavier und Violoncello in e-Moll von Johannes Brahms fesselt das Publikum. Es ist mucksmäuschen still im Saal. Alle stehen im Bann der Cellistin. Sol Gabettas Hingabe und Spielfreude beeindrucken. Selten erlebt man im Konzertsaal eine solche uneingeschränkte Präsenz. Dann folgt das Seitenthema des Klaviers nach einer kurzen Überleitung ebenso geheimnisvoll wie der Anfang, aber leichter fortschreitend, dann sich eindringlich steigernd.
Sol Gabetta und Bertrand Chamayou verdeutlichen die unterschiedlichen Charaktere der drei Sätze in Brahms’. Im Menuett und der ausgedehnten Fuge im dritten Satz treten sie als gleichberechtigte Duo-Partner mit fast blindem Verständnis füreinander auf und ergänzen eineander perfekt.

Offene Ausstrahlung

Die Sonate Nr. 4 in C-Dur von Beethoven, die aus nur zwei mehrteiligen Sätzen besteht, interpretieren die beiden wiederum mit einer starken Intensität, ohne hart oder plakativ zu spielen, sondern mit ausladenden Melodiebögen, schwungvollen Läufen, gänzlich im Stück aufgehend.
Sol Gabetta besitzt alles, was es braucht, um ein Star zu sein: Talent, Ausstrahlung, Präzision, Hingabe und eine gesunde Selbsteinschätzung. Sie selbst wirkt von der Musik ungemein bewegt. Das frühere Wunderkind hat dank harter Arbeit eine grosse Karriere gemacht. Dennoch wirkt sie nicht abgehoben oder unnahbar, sondern sympathisch und offen.

In der Cellosonate von Sergej Rachmaninoff etwa könnte Gabetta den solistischen Part dominant ausgestalten. Immerhin ist das Werk deutlich konzertant angelegt, das Klavier begleitet mit virtuosem Figurenwerk den ausdrucksstarken Cellopart. Hier könnte sie ihr vielseitiges Können, ihre makellose Technik beweisen. Doch sie nimmt sich zurück, stellt ihr Spiel in den Dienst des Werkes und der Interpretation. Der grossangelegte Finalsatz steigert die Spannung. Das begeisterte Publikum scheint gebannt die Luft anzuhalten. Bravorufe für ein intensives und eindringliches Konzert.

- Landbote, Ramona Früh, 24.01.2014