Sol Gabetta
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Sun 17.12.2017

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Frédéric Chopin hat sich mehr als die meisten anderen Komponisten auf ein einziges Instrument beschränkt: Klavier. Er hat zwar auch einige Stücke für Violoncello und Klavier geschrieben, die aber sind kaum bekannt – und das mit gutem Grund: Sie sind zwar spieltechnisch verteufelt schwer und sicher auch unterhaltsam, aber – bei allem Respekt – keine bedeutende Musik. Dass eine hochprominente Cellistin wie Sol Gabetta sich im Konzert und auf ihrer neuesten CD für diese Werke stark macht, hat wohl eher mit dem begrenzten Cello-Repertoire zu tun. Da liegt es nahe, nach Ausweichmöglichkeiten zu suchen. Und dann landet man eben bei Chopin.

Auf einem ganz anderen Blatt steht, wie absolut souverän Sol Gabetta damit im sehr gut gefüllten Ludwigshafener BASF-Feierabendhaus interpretatorisch umging: mit der Cellosonate op. 65 und mit dem “Grand Duo Concertant” über Themen aus Meyerbeers Oper “Robert der Teufel”, ein zeitübliches Potpourri, in dem Themen der Oper hochvirtuos aufgefächert werden.

Sol Gabetta ist nun wirklich mit allen technischen Wassern gewaschen und schafft es, ihr Cello zum Singen oder auch zum Glühen zu bringen. Auf einem absolut ebenbürtigen Niveau agiert ihr Klavierpartner, der bei uns vergleichsweise unbekannte französische Pianist Bertrand Chamayou. Das betrifft zunächst die spieltechnischen Fähigkeiten von beiden: Sie nehmen im ganzen Konzert die virtuosen Passagen in einem rasenden Tempo nahe der Grenze zur Unspielbarkeit, und dennoch sind sie ohne jede Ausnahme mit allerhöchster Präzision zusammen. Man muss viel miteinander musiziert haben und sich gut kennen, um sich so blind zu verstehen. Und zwar im Wortsinne, denn einen Blickkontakt, der die Kommunikation erleichtern würde, hatten die Cellistin und der Pianist bei dieser Sitzordnung nicht.

Die kompositorisch gewichtigeren Werke gab es in der ersten Programmhälfte zu hören: Beethovens Variationen über das “Zauberflöten”-Duett “Bei Männern, welche Liebe fühlen” und Mendelssohns zweite Cello-Sonate. Noch mehr als bei Chopin überzeugte hier das kammermusikalisch intime Grundverständnis der beiden Ausnahme-Interpreten, die enorme dynamische Spannweite ihrer Interpretationen auf engstem Raum, ihre dadurch gewährleistete Ausdrucksfähigkeit und auch hier wieder: ihre Fähigkeit zum absoluten Synchron-Spiel, zum gemeinsamen Atmen und Fühlen.

Man muss sehr vorsichtig sein mit solchen Vokabeln, aber das war zeitweise Kammermusik, wie sie besser einfach nicht vorstellbar ist.

 

- Mannheimer Morgen, 26.02.2015