Sol Gabetta
drives BMW

Next Concert:

Tue 09.01.2018

Press

Sol Gabetta über ihr Solsberg-Festival im Dreiländereck

Zum zehnten Mal lädt Sol Gabetta das Publikum zu ihrem kleinen, aber feinen Solsberg-Festival an den Hochrhein. Die Kammermusik-Konzerte mit der argentinisch-französischen Cellistin sind mehr als ein Geheimtipp.

Weshalb das Festival in diesem Jahr mit zwei Konzerten expandiert – in den Schwarzwald und ins Markgräflerland. Alexander Dick unterhielt sich mit der bei Basel lebenden Künstlerin.

BZ: Frau Gabetta, theoretische Frage: Würde die kleine Ortschaft Olsberg im Aargau, die Ihrem Festival zum Teil Namenspate war, anders heißen – gäbe es dann dieses Festival überhaupt?
Gabetta: (lacht) Olsberg ist ein unglaublich kleiner Ort, in den ich nur kam, weil ich dort ein Haus fand. Als wir dann wenig später überlegten, welchen Namen wir unserem neuen Festival geben wollten, kam die Idee, Sol – meinen Vornamen – und den Ortsnamen zu verbinden. Lustig ist auch – S und G sind meine beiden Initialen. Vielleicht gibt es wirklich Schicksal im Leben. Aber das Festival gäbe es auch, wenn der Ort anders hieße.
BZ: Warum wollten Sie unbedingt hier ein Festival machen?
Gabetta: Ich hab’ durch meine Freundschaft mit der Geigerin Patricia Kopatchinskaja und deren Kammermusikfestival bei Bern immer in der Weihnachtszeit viel gelernt. Unter anderem auch, dass ich mein Festival nicht während der Ferienzeit mache. Auch dass ich kein zu dicht gedrängtes Programm machen möchte. Und ohne Christoph Müller und seine Management-Erfahrung würde es auch gar nicht gehen. Erfolg hat man nie allein. Da meine ich auch die vielen Helfer, die uns zur Seite stehen.

BZ: Der Erfinder der Festspielidee, Richard Wagner, ging auch bewusst weg von den Zentren. Er wollte, dass sein Publikum abseits vom Alltag sich ganz auf die Kunst konzentrieren kann. Teilen Sie diese Einschätzung auch für heute?
Gabetta: Ich habe das Festival sehr klein begonnen – nur drei Tage. Ich habe noch immer ein Problem damit, wenn ein Festival, und sei es noch so klein, zu schnell vermarktet wird. Ich kämpfe dafür, dass es nie zu viel ist. Weniger Quantität. In diesem Jahr haben wir, zugegeben, außerordentlich viel an Künstlern und Veranstaltungen. Aber das hat etwas damit zu tun, dass es das zehnte Jahr ist. Nächstes Jahr wird es wieder viel, viel kleiner.

BZ: Haben Sie ein Stammpublikum?
Gabetta: Schon. Aber unsere Spielorte sind nicht so groß. Viele kommen aus Deutschland, die meisten Konzerte sind bereits sehr gut verkauft.
BZ: Sie geben hier ein Konzert in St. Cyriak, Sulzburg (11. Juni) und eines auf dem Henslerhof, Hinterzarten (28. Juni). In einem Fall ein eher ungewöhnlicher Ort. Spielen Sie gerne an außergewöhnlichen Schauplätzen?
Gabetta: Wissen Sie: Konzertsäle sind etwas Phänomenales. Aber an kleinen Orten aufzutreten, für Menschen zu spielen, die nicht die Möglichkeit haben, in die großen Städte zu kommen, ist wahnsinnig berührend. Deshalb machen wir in diesem Jahr auch ein Konzert in Frankreich an der Schule meiner behinderten Schwester: Da kommen vielleicht Leute, die sonst nie Gelegenheit haben, ins Konzert zu gehen. Und deshalb versuchen wir auch mit unserer Musik hier im Dreiländereck Grenzen zu überschreiten.
BZ: Sie setzen sich sehr ein für Nachwuchsförderung, für Projekte an Schulen. Wie sehen Sie die Zukunft der Klassik?
Gabetta: Meine Einstellung ist die: Was kann ich geben, was kann ich bewegen, um einen kleinen Stein ins Rollen zu bringen? So haben wir zum Beispiel die Idee, vor einem Konzert am Abend nachmittags für die Kinder an einer Schule zu spielen. Allerdings muss ich Ihnen sagen: Alle sprechen sehr positiv über solche Projekte, aber nur die wenigsten sind bereit, sich daran finanziell zu beteiligen. In Lyon wollen wir es jetzt damit beginnen.

http://www.badische-zeitung.de

- Badische Zeitung, 23.04.2015