Sol Gabetta
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Tue 09.01.2018

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Sie gilt als eine der weltweit besten klassischen Cellistinnen: Die Argentinierin Sol Gabetta. Bereits mit elf Jahre erhielt sie ein Stipendium an der Madrider Musikhochschule. Später studierte sie in Basel und Berlin. Mit 17 gewann sie 1998 den renommierten ARD-Wettbewerb in München. Seitdem hat sie viele weitere Auszeichnungen wie den Echo Klassik-Preis 2013 bekommen. Sie hat zahlreiche CDs veröffentlicht und spielt mit den wichtigsten Orchestern in den ganz großen Konzertsälen der Welt. Und einmal im Jahr kann man die Star-Cellistin in einem ganz anderen Rahmen erleben: beim Solsberg-Festival. Seit zehn Jahren veranstaltet Sol Gabetta dieses Kammermusikfestival der besonderen Art.

Das Dörfchen Olsberg: Eine mittelalterliche Klosteranlage, umgeben von Bauernhäusern, Obstwiesen und Getreidefeldern, malerisch an einem sanften Hügel über dem Fricktal bei Basel gelegen. An einem Sonntagmorgen strömt ein buntgemischtes Publikum in die Stiftskirche. Kurz darauf erscheinen Sol Gabetta und der Pianist Betrand Chamayou vor dem säulenverziertem Hochaltar und präsentieren ihr aktuelles Chopin-Programm.

Hautnah erlebt man hier zwei Klassik-Stars, die sonst die ganz großen Konzertsäle füllen: Hochkonzentriert über ihre Instrumente gebeugt, perfekt aufeinander eingespielt, fast schon symbiotisch agierend. Man sieht aber auch, wie viel physische Kraft es kostet, die sehnsuchtsvoll-romantischen Melodien Chopins so ausdrucksstark erklingen zu lassen.

Sol Gabetta kam vor zehn Jahren erstmals in die 400-Seelengemeinde Olsberg – auf der Suche nach einem Landhaus in der Nähe von Basel, wo sie an der Musik-Akademie unterrichtet.

“Das war das erste Haus was wir besucht haben. Es war Winter, es war total verschneit, sehr idyllisch, sehr schön. Und ich habe die Kirche fast nicht gesehen, weil soviel Schnee war. Erstaunlicherweise, irgendwie auf dem Weg heim, haben wir doch tatsächlich dieses Kloster entdeckt. In dem Moment habe ich gedacht: Hier werden wir ein Festival machen!” Sol Gabetta

Einige Monate später startete bereits die erste Ausgabe des Solsberg-Festivals – improvisiert, in Eigenregie organisiert, ein Sprung ins kalte Wasser:

“Schwierig: Es gibt kein Geld, keine Sponsoren, keine Bühne, kein nichts! Von Null auf Hundert. Aber ja, wenn man natürlich Freunde hat, die bereit sind für Nichts zu spielen am Anfang, um zu probieren ob es funktioniert oder nicht. Man weiß es nie. Ein Potential für ein Festival ist nicht nur eine Frage von guter Musik. Die Leute wollen einen besonderen Moment, ein Erlebnis.” Sol Gabetta

Solche besonderen Momente konnte das Publikum in den letzten zehn Jahren vielfach erleben: Unter anderem weil das Festival an ungewöhnlichen Orten in der idyllischen Landschaft des Fricktals stattfindet: Zum Beispiel in der Stadtkirche Rheinfelden oder dem dortigen Bahnhofsaal. Dieses Jahr stand auch ein Kinderkonzert auf dem Programm: Camille Saint-Saens “Karneval der Tiere”, aufgeführt in einem Freiluft-Raubtiergehege. Aus dem Rahmen fällt das Festival auch, weil Gabetta hier vor allem musikalische Freundschaften pflegen will – abseits der Zwänge des Klassik-Musikmarkts:

“Leider ist es nicht die Stücke die ziehen, sondern die Namen. Mir geht es nicht um den Namen muss ich ehrlich sagen. Leider gibt es auch unglaubliche fantastische Musiker die keinen Namen haben und die versuche ich auch hierherzuziehen.” Sol Gabetta

Einen Kontrapunkt zum üblichen Klassik-Tournee- und Konzertzirkus ist das Festival auch, weil hier an neuen Besetzungen gefeilt und neues kammermusikalisches Repertoire ausprobiert wird: Dieses Jahr lud Sol Gabetta zum Beispiel zu einer Cello-Nacht ein, für die sie ein Dutzend Weggefährten – Schüler wie ehemalige Kommilitonen und Lehrer – aus 20 Jahren Karriere zusammentrommelte. Auf dem Programm unter anderem: ungewöhnliche Bearbeitungen von Vivaldi, Ravel oder Piazolla für großes Cello-Ensemble.

“Das Festival ist genau die Gelegenheit, um solche Kombinationen auszuprobieren. Wir hatten auch ein Programm mit zwölf Cellisten, das war so viel Arbeit, wir sind zehn Stunden am Tag gewesen. Aber die Freude die das bereitet. Es war unglaublich emotional. Ich war danach ziemlich kaputt, aber trotzdem es hat sich gelohnt.” Sol Gabetta

www.swr.de

- SWR2, David Siebert, 25.06.2015