Sol Gabetta
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Sun 17.12.2017

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“Gut drei Stunden dauert der Abend, der mit Nikolai Rimskij-Korsakows «Cap­riccio espagnol» im Breitleinwandsound beginnt und in Camille Saint-Saëns’ «La Muse et le poète» vor Klangtrunkenheit funkelt: nicht zuletzt wegen Sol Gabetta und Patricia Kopatchinskaja, den Solistinnen. Und es ist nicht die einzige Herausforderung für die beiden. Mit ihrem Spiel veredeln sie auch die Uraufführung des Abends. Im Namen des Menuhin-Festivals wird seit sieben Jahren ja auch komponiert.

«Dialogue» heisst das Werk für Violine, Violoncello und Orchester. Es stammt von Mark-Anthony Turnage und ist stilistisch schwer zu verorten. Der 55-jährige Brite, der auch schon «angry wild man» genannt wurde, komponiert neue Musik ohne grosses N. Will heissen: unbekümmert von Traditionen und Theorien. Er schafft veränderliche Gefühlslandschaften, die an den Grenzen immer wieder aufbrechen. Eklektisch sind die Rhythmen, für die sich der Komponist bei Volksmusik und Jazz bedient. In tonalen und atonalen Sequenzen flottieren die Streicher zuweilen ohne festes Taktmass. So macht sich im dritten Satz im Orchester diffuse Langatmigkeit breit. Doch bevor man sich in der Zeitlosigkeit verliert, lässt Turnage die Klänge zu grellen Zacken erstarren. Und da ist man wieder hellwach.

Man kann bei Turnage eben nie ganz sicher sein, was kommt. Doch da ist immer innere Struktur. Der Komponist, dessen Oper «Greek» das Publikum Mitte September bei Konzert Theater Bern entdecken wird, steckt in «Dialogue» das Spielfeld präzise ab. Er gewährt den Solistinnen eine Art Schutzraum. Hier treffen sie wie in einer Arena aufeinander.

Aus Ernst wird Spiel

Ein Fest mit diesen Solistinnen: Patricia Kopatchinskaja (Violine) und Sol Gabetta (Cello) zeigen die Metamorphose eindrücklich nach, die Turnage in dem Stück zeichnet. Mit Präzision und Leidenschaft nähern sich Geige und Cello. Zuerst als ungleiche Gespielinnen, später als Rivalinnen. Zuletzt finden sie im innigen Dialog zusammen und erleben ihre Andersartigkeit als perfekte Ergänzung. Egal, wer zum Schluss das letzte Wort hat. Aus dem Ernst ist Spiel geworden, das Heitere obsiegt: Das lyrische Läuflein, zu dem die Geige ansetzt, schnappt sich das Cello im Flug. Und führt es in tiefer Lage sicher zur Landung.”

www.derbund.ch

- Der Bund, 17.08.2015