Sol Gabetta
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Tue 09.01.2018

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CD Kritik “Vasks – Presence”

Am Anfang steht eine mächtige Solokadenz, ein tiefgründiger Monolog des Cellos. Es ist Peteris Vasks zweites Konzert für dieses Instrument und in der vibrierend-intensiven Interpretation der Auftraggeberin Sol Gabetta besteht nicht der geringste Zweifel daran, dass es seinen Titel zurecht trägt: “Klātbūtne” bedeutet so viel wie Gegenwart, Anwesenheit, Präsenz. Und die spürt man in jedem Takt.

Peteris Vasks versteht sich als “Erzähler in Töne”: Seine archaischen Klanglandschaften leben vom Kontrast zwischen folkloristischen Motiven und moderner Klangsprache, wobei er sich keineswegs vor Tonalität, Melodie und unmittelbarer Emotionalität scheut. Der “Seele Nahrung geben”, das ist die erklärte Absicht seiner Musik, die sich im besten Sinne “uncool” gibt. Es ist eine Musik, die sich Zeit lässt, dabei aber durchaus Spannung aufbaut: Wie oft bei Vasks tendiert auch in seinem jüngsten Konzert der schnelle Mittelsatz zu aggressiver Motorik mit sarkastisch-ironischer Prägung.

Ganz bei sich ist Peteris Vasks jedoch in den langsamen Sätzen, im leisen Hoffnungsschimmer des letzten Satzes, der wie ein Choral vom Zweifel zum Glauben zurückfindet. Das Herz dieser Musik ist die schier unendlich mäandernde Melodik, die Kantilene, der Gesang, was in diesem Fall auch ganz wörtlich zu verstehen ist.

Seit sie vor vielen Jahren Peteris Vasks Buch für Solo-Cello kennenlernte, das den simultanen Gesang des Solisten fordert, war Sol Gabetta fasziniert von dieser einmal nicht durch Doppelgriffe produzierten Polyphonie und wünschte sich von dem lettischen Altmeister ein Konzert mit einer solchen Passage. 2012 endlich konnte sie das Werk mit der Amsterdam Sinfonietta unter Candida Thompson in Gent uraufführen und heuer in derselben Besetzung einspielen bzw. -singen. Und man kann nur sagen: Das Warten hat sich gelohnt, oder – frei nach Shakespeare – “Wenn Musik der Seele Nahrung ist, spielt weiter…!”

Zur Kritik: https://www.br-klassik.de/aktuell/br-klassik-empfiehlt/cd/cd-tipp-vasks-presence-102.html

- BR, Alexandra Maria Dielitz , 12.11.2015