Sol Gabetta
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Sun 17.12.2017

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Angemessenes Konzert-Ambiente für zwei Künstler von Weltrang: der prunkvolle Saal im Schloss Oldenburg. Die argentinisch-französische Cellistin Sol Gabetta und der französische Pianist Bertrand Chamayou können als „Duo Infernale“ in ihrer Kammermusiksparte derzeit wohl uneingeschränkt als das – im landläufig negativen Sinne keineswegs „infernale“ – Maß der Dinge bezeichnet werden.

Bereits mit den eingangs gespielten Beethoven-Variationen über „Bei Männern, welche Liebe fühlen“ demonstrierten beide ihre unbedingte Harmonie im Zusammenspiel.

Exzellente Fingerarbeit und Bogenführung und ein daraus resultierender substanzvoll runder, gänzlich reiner Ton bei Sol Gabetta, dazu eine bis in kleinste Nuancen kontrollierte Anschlagkultur des Pianisten am optimal intonierten Flügel sorgten für brillanten Gesamtklang wie aus einem Guss.

Auf beeindruckende Weise wurde so das jeweilig Prägnante der einzelnen, eher schlicht anmutenden und doch so kunstvoll bearbeiteten Variationen in ausgezeichneter Farbgebung herausgestellt. Das setzte sich in gleicher Deutlichkeit fort bei Beethovens Sonate Nr. 3 A-Dur, deren durchweg konsistente Interpretation in jeder Hinsicht begeisterte.

Das bravourös phrasierte Scherzo gefiel mit nachdrücklicher Betonung der abrupt aufberstenden Einwürfe und ruppigen Synkopen; das gefühlvoll angegangene Adagio imponierte mit grenzenloser Klangschönheit, von der Cellistin mit ruhigem, sorgfältig dosiertem Vibrato unterlegt; der Übergang in den eloquenten Finalpart wurde mit geschmeidiger Eleganz vollzogen. Bei Chopins einziger Sonate für Klavier und Violoncello op. 65 dominierte im Kopfsatz zunächst die opulent angelegte Klavierstimme; der Dialog im teils quirlig bewegten Scherzo und im wonnevoll intonierten, bisweilen von ätherischer Fragilität geprägten Largo rückte die Gleichwertigkeit beider Instrumente wieder zurecht.

Chopins reizvolles Grand Duo concertant E-Dur, von unzähligen wallenden Läufen und großen thematischen Gesten durchzogen, mag allzu deutlich auf Effekt und verblüffende technische Raffinessen setzen; die exquisite Spielweise des Duos setzte dabei auch in jeder Hinsicht auf Eloquenz und glühende Farbigkeit, wahrte aber durch detailgetreue Ausführung sehr wohl jegliches Abgleiten ins oberflächlich Theatrale. Frenetische Ovationen für einen überwältigenden Auftritt.

- Weser Kurier, Gerd Klingeberg, 11.09.2015