Sol Gabetta
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Sun 17.12.2017

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Es ist das Stück. Es ist aber auch der Ausdruck, die Sinnlichkeit, die Cellistin Sol Gabetta (34) ihrer Interpretation von Camillie Saint-Saens’ Konzert für Violoncello Nr. 1 in A-Moll (Opus 33) und Orchester aufdrückt. Bei ihrem triumphalen Gastspiel Dienstagabend in der Philharmonie – im Verbund mit einem glänzend aufgelegten Orchestre de Paris, das gestern unter dem herrlich glasklar schlagenden Esten Paavo Järvi zu einem wahren spätromantischen Höhenflug ansetzte. Und auch jederzeit auf der Höhe war. Selbst in den filigranen, beinahe ätherisch-breiten Bögen, die die zierliche in Cordoba geborene Argentinierin Sol Gabetta auf ihrem Wunder-Cello zog, folgten ihr die Pariser Musiker mit liebevollem Pianissimo.

Und dann zog die blonde Frau im feuerroten Kleid das Tempo mit einem Ruck wieder an. Breit ausgestellt die Ellbogen, der Körper beugt sich beinahe in das Instrument, fliegt der Bogen in unsagbar schnellen Kadenzen über die Saiten – als würden Regentropfen im Akkord auf Seerosenblättern landen und das Wasser wieder hochschlagen. Ein Wunder, dass der Bogen nicht in hohem Bogen davon fliegt! Doch dann schmiegt sie sich, eingefangen vom unprätentiös Takt gebenden Järvi, wieder in den Samt-Wogen der Streicher, antwortet auf das Menuett. Die Zeichen kehren sich um. Nun ist es die Solistin, deren linke Hand die Saiten drückt, an ihnen hoch-runter-rauf-rutscht. Und dem Aufwallen des Orchesters fordernd Einhalt gebietet. Nun klammert also die solistische Cello-Stimme die vielstimmige Orchestertonalität, die über sich hinauswachsen will. Aber Senorá Gabetta sagt: “No!”

Und sie ist an diesem Abend einfach in den knapp 20 Minuten, die das Stück dauert, die Instanz und Autorität, an deren Spiel sich die Vielen reiben und doch auch mitnehmen lassen. Eine grazile, bogenspannende Ausnahmekönnerin hat zum zweiten Mal heute das Berliner Publikum im Sturm erobert. Famos!
Eine Sternstunde erlebten die Zuschauer aber noch nach der Pause – ein hochtouriges Orchestre de Paris zog alle Register mit einer wahrhaft phänomenalen Version der irrlichternden, wahnhaft, liebestrunken-und zerissenen romantisch-emotionalen Nabelschau eines von der Geliebten verschmähten Künstlers – in der “Symphonie fantastique” von Hector Berlioz! Ein beinahe unanständig opulent orchestriertes Mammutwerk mit vier Paukenstimmen, Bass-Trommeln – mehr ging gestern Abend nicht. Chapeau auch für Maestro Järvi, der in dieser Funktion Adieu sagte…. Aber mit einem Paukenschlag! Danke!

- Berliner Zeitung, Matthias Lukaschewitsch, 11.11.2015