Sol Gabetta
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Tue 09.01.2018

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Das letzte Flageolett der Zugabe ist gerade verklungen, da hört man draußen im Hofgarten – zum ersten und einzigen Mal an diesem Abend – die Vögel zwitschern. Sol Gabetta hat ihre Lieblingszugabe gespielt: El cant dels ocells – der Gesang der Vögel, geschrieben von Pablo Casals, dem Ahnherrn aller Cellisten. Timing ist ihre Stärke, oder besser: eine ihrer Stärken. Zuvor hat Sol Gabetta das Publikum beim Mozartfestkonzert im Kaisersaal der Würzburger Residenz mit dem Schumann-Konzert überwältigt, jetzt rührt sie es zu Tränen.

Die ungeheuer effektvolle Zugabe mit der unendlich traurigen Melodie folgt auf einen Schumann, dessen faszinierend mäandernder, vermeintlich strukturloser Anlage Sol Gabetta gerade dadurch Struktur verleiht, indem sie spielt, als würde sie improvisieren. Jede Phrase, jeder Einwurf wirkt wie im Moment erdacht. Das vielleicht bedeutendste Cellokonzert nicht nur der Romantik als spontane Eingebung – großartig.

Das funktioniert, weil Sol Gabetta die Partitur genauestens im Kopf hat. Weil sie an genau den richtigen Stellen genau diesen winzigen Hauch verzögern kann, der für Spannung sorgt. Weil sie ansatzlos umschalten kann von ruppigem Wühlen in rauer Tieflage auf beinahe körperlose Kantilene in reinster Höhe. Und weil Technik kein Thema ist, wenn selbst die gemeinsten Oktavschichtungen lupenrein gelingen. [...]

- Main Post, Mathias Wiedemann, 06.06.2016